Nicht der Süden


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24 Jan Mayen

Tagebuch Volker:

Wenn die Dreharbeiten es erlauben, gucke ich auch immer mal, wie es da so ist, wo wir gerade sind. Meistens ist es sehr schön. Es wird langsam Zeit für eine ausgleichende Dosis Hässlichkeit; es wird langsam Zeit für Berlin ;) Bevor noch die große Schönheitsmüdigkeit einsetzt.

Jan Mayen war grandios.

Dass wir überhaupt dorthin gekommen sind, ist ein kleines Wunder. Vielen Dank an Tom und Jesse, die dieses Wunder vollbracht haben!

Jan Mayen ist eine Insel in der Grönlandsee, halb so groß wie Hamburg, bewohnt nur von knapp 20 Wissenschaftlern und Technikern und einem Station Commander. Schwarze Strände, an denen Treibholz aus Sibirien in der tiefstehenden Sonne leuchtet, schroffe, moosbewachsene Felsen, Unheimliche Nebelbänke und faszinierendes Wolkenkino mit großem Finale, wenn die Wolken den 2277 Meter hohen Beerenberg, den nördlichsten überseeischen Vulkan der Welt freigeben. Und die Mitternachtssonne …

Und zwischendurch war uns sogar mal ein bisschen kühl. Endlich. Bisher hatten wir größtenteils besseres Wetter, als wenn wir in Berlin geblieben wären. Statt abgehärtet kommen wir wahrscheinlich total verpimpelt wieder, weil wir trotzdem die ganze Zeit mit unserer Arktisüberlebensunterwäsche rumrennen.

Ein Besuch auf Jan Mayen ist nur wenigen vergönnt. Es gibt kein Hotel. Manchmal laden Kreuzfahrtschiffe für 2 oder 3 Stunden ein paar Touristen aus, aber auch das ist selten, da die Insel keinen Hafen hat und die Anfahrt mit dem Schlauchboot passieren muss und nur bei sehr günstigen Wetterbedingungen möglich ist. (So hatten wir das eigentlich auch geplant und es war sehr unsicher, ob das gelingen würde.) Bald soll die Insel ganz für Besucher gesperrt werden.

Wir waren knapp 24 Stunden dort. 24 Stunden, von denen wir 2 geschlafen haben. Der Rest war Drehzeit. Allerdings nur zum Teil mit Kirsten und mir, da noch ein Beitrag für eine Magazinsendung gedreht wurde. Schade, dass wir die paar Stunden Freizeit nicht nutzen konnten, da wir ständig auf Abruf waren und in der Station warteten.

Und dann war da noch die Sache mit einem Zeh …

Der Flug nach Jan Mayen war ... interessant. Die Landung, um genau zu sein. Jan Mayen kann nur auf Sicht angeflogen werden - ein echtes Handycap bei einer Insel, die oft im Nebel liegt. Wir hatten Glück, haben es noch geschafft, bevor sich alles zuzog. Die Piloten unserer kleinen Propellermaschine flogen den Strand ab und suchten den Landeplatz, da sie auch noch nie hier gewesen waren. Ein paar Kilometer vor dem Flugfeld sind wir haarscharf an einem Felsen vorbeigeschrammt; das gab ein Hui!, als das Flugzeug in vielleicht 30 Metern Höhe plötzlich auf die Seite kippte. Keine Ahnung, ob der Felsen im einsetzenden Nebel so spät zu erkennen war, oder ob die Piloten einfach ein bisschen Spaß beim Fliegen haben wollten.

Am nächsten Morgen sollte ein großes Transportflugzeug der norwegischen Luftwaffe Verwandtenbesuch und Ablösungen für die jeweils ein halbes oder ein ganzes Jahr auf der Insel lebenden Leute bringen und musste wegen Nebels wieder umkehren. Da gab es einige traurige Gesichter zu sehen, weil völlig unklar war, wann sie es wieder versuchen würden.

Zum Glück hat es gestern endlich geklappt, wie ich einem norwegischsprachigen Jan Mayen Weblog zu entnehmen glaube. (Komisch, dass da gar nichts über uns drin steht. Ich hätte wetten könen, dass die sich köstlich über uns amüsiert haben und einen lustigen Artikel über das ulkige deutsche Filmteam schreiben.)

Die Station selbst sieht von außen ziemlich containermäßig aus, ist aber sehr gemütlich, ganz anders, als wir erwartet hatten. (Marc: „Ich dachte, das wäre hier so ein bisschen wie iner Raumstation!“) Alles ist sehr bequem und geräumig eingerichtet, gut beheizt, es gibt eine Bar und hier und da hängen Eisbärenfelle oder -köpfe. Und das beste: Wir hatten erstmals seit Beginn der Reise Einzelzimmer. Mann, und wir Idioten schlafen nur zwei Stunden, statt die Kamera in die Ecke zu stellen und zu pennen, bis unser Flugzeug zurückmuss!

Die ganze Station ist mit Teppich ausgelegt, weshalb man dort nicht mit Schuhen reindarf. Wir mussten drin also auf Socken herumlaufen. Eine prima Gelegenheit, mir einen schweren, spitzen Gegenstand auf den Fuß fallen zu lassen, ein bisschen Jan Mayen vollzubluten und mir von der Stationsschwester Anne-Torin mit einem Klammeraffen den Zeh zutackern zu lassen.