Inhalt
Reisetag
21 Island und kein Ende
Tagebuch Kirsten:
Wasserfälle. Wasser immer runter. Grasmoosblumensteine. Kargsaftig. Flachhoch.
In S. ist gerade das Musikfestival. Viele Jugendliche, viel Alkohol. Normal. Mit Norwegerpullover. Bands in einer Turnhalle. Am nächsten Morgen liegt der Rasen vor dem Hotel voller junger Menschen.
Nachts ist anderes Licht. In der Fischfabrik neben der die Arctic Janus anliegt hat Charles Manson gearbeitet. Auf einem alten rostigen Schiff gibt es viele Dinge, die sich in Berlin auf allen Trödelmärkten verkaufen ließen wie verrückt. Ich will nicht an Berlin denken.
Da wir hier mal wieder länger liegen als geplant haben wir sogar Zeit für alles mögliche.

Ich schlafe das erste Mal seit Wochen. Ich fange an E-Mails abzuholen und zu schreiben. Wollte ich gar nicht machen und mache ich auch sonst nicht, wenn ich unterwegs bin, weil es mich sonst zerreißt zwischen da wo ich bin und da wo ich sonst bin. Und genauso passierts: ich bekomme mörderisch Heimweh.

Tagebuch Volker:
Wir hängen wegen eines Sturmes über dem Nordatlantik fest und wissen nicht wie und wann es weitergeht. Ob wir es nach Jan Mayen und Spitzbergen schaffen oder den Rest unserer Zeit in diesem hübschen, auf Dauer aber nicht allzu spannenden Örtchen verbringen werden. Wir können die Zeit hier weder richtig genießen noch nutzen, weil alles unklar ist und sich von Tag zu Tag ändert und verschiebt. Statt Seekrankheit: Hafenkoller. Und der Zoll hat die Biervorräte verplombt ...
Zum Glück habe ich in Berlin daran gedacht, mir eine allgemeine Lebens- und Identitätskrise einzupacken, die ich bei dieser Gelegenheit mal aus dem Rucksack gezottelt habe. Ist ein ganz praktisches Ding; ganz klein, kann ich überall hin mitnehmen und vor Ort zu praktisch beliebiger Größe aufblasen. Schon komisch, wie schlecht man es sich gehen lassen kann!
Zum Glück gibt es im Ort einen tollen Schrottplatz, der einen manchen Ärger vergessen lässt, und ein Blubberbad, das reißt einiges wieder raus. Oh, das ist missverständlich, das muss ich näher erklären: Nein, es ist kein Walspeckbad, sondern ein heißer Pool, der blubbert. Auf Island muss man genau wie auf den Färöern vorsichtig mit solchen Formulierungen sein. Im Blubberbad hängt eine Anleitung, wie man sich zu Duschen hat. Hättet ihr gewusst, dass man auch die dreckigen Stellen mitwaschen soll?
Ich will endlich weiterfahren.












