Nicht der Süden


Inhalt

25 Longyearbyen

Tagebuch Kirsten:

Die Gruppe bekommt Zuwachs: Rolf, Ute, Torsten und Norbert stoßen zu uns. Rolf als Expeditionsleiter, der uns zusammen mit Ute sicher überall hinbringt. Torsten ist der Sonnenfinsternisexperte und auch Experte für lauter andere Sachen. Er kann zu jeder erdenklichen Situation einen Witz oder ein Filmzitat anbringen. Außerdem hat er mir in einer dreiviertel Stunde die Realtivitätstheorie erklärt. Norbert ist DER Eisbärenfotograf. Warum wir nun trotz Norbert dann keine Eisbären gesehen haben, kann ich mir nur so erklären, dass die Eisbären Norbert von weitem gesehen haben und dachten: Ach, der Norbert, kennwa schon.

Tagebuch Volker:

Die größte Siedlung Spitzbergens ist nicht das, was man „schön“ nennen würde. „Hässlich“ trifft es viel besser. Aber immerhin auf schöne Art hässlich. Ich mag die ollen, hölzernen Türme der stillgelegten Kohleseilbahn und die schroffen Berge hinter der Ortschaft, wenn die Sonne ein paar helle Flecken daraufmalt. Ich hasse den Schotter, mit dem die meisten Wege bedeckt sind: Wegen meines maroden Zehs komme ich in keinen Schuh hinein, trage 3 Socken an meinem rechten Fuß und bewege mit mit Krücken durch den Ort. Will garnicht wissen, was für ein jämmerliches Bild das später im Fernsehen abgibt! Herrjeh! Wenn mich wenigstens ein Eisbär in den Zeh gebissen oder mir ein Gletscherabbruch auf den Fuß gefallen wäre – irgendwas, womit ich hätte angeben können!

Genug gejammert, jetzt zu den schönen Sachen: Für die letzte Etappe hat unser kleiner Expeditionstrupp Verstärkung bekommen: Rolf und Ute werden uns mit Gewehr und viel Erfahrung durch die Arktis führen, Torsten, ein Mann, der Sonnenfinsternisse sammelt wie andere Briefmarken, wird mit uns Sonnenfinsternisse sammeln und Norbert, der Mann, zu dem die Eisbären kommen, wenn sie ein richtig schönes Foto von sich brauchen, wird uns bei seiner Arbeit zugucken lassen.