Nicht der Süden


Inhalt

32 Pyramiden

Tagebuch Kirsten:

Eine seit zehn Jahren verlassene russische Bergarbeiterstadt. Kino in hellblaublätternder Farbe. Holzhäuser mit Schnitzerreien, ein Kindergarten ohne Kinder, eine Katze die so lange bei mir ist wie sie Lust hat. Danach ist sie bei Jessi, bei Heiner, bei Volker. So eine ist das! Ein alter Schlitten mitten auf dem Weg. Alles ist wie gerade zurückgelassen. Zwischen schön und schaurig. Völlig absurd. Eine Kulisse für was romantisches auf eine gruselige Art. Vielleicht verliebt sich eine junge Frau in ein zotteliges Monster. Ich kann nur noch in so Filmdenke denken. Überhaupt ist meine Wahrnehmung ganz gestört auf Verwertbarkeit ausgerichtet. Fotografieren, filmen, drüber schreiben. Nichts ist einfach nur da. Alles ist da, damit man damit etwas macht. Das ist doch krank.
Als ich versuche, das abzustellen und einfach nur zu sehen: eine alte Post, ein Hotel mit verbarrikadierten Fenstern, Möwen die auf Fenstersimsen leben...da rauscht eine riesige Horde Touristen durch den Ort. Eine Lawine Outdoorkleidung raschelt an uns vorbei.
Wir haben keine Zeit in die Häuser zu gehen. Es ist nicht auszuhalten, hier zu sein und weg zu müssen. Die ganze Reise über ist für nichts wirklich Zeit. Ich weiß nicht mehr ob es besser ist irgend etwas halb zu sehen oder gleich gar nicht.