Nicht der Süden


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22 Schlammgletscher

Tagebuch Kirsten:

Wir wollen zum Vatnajökull. Das ist der größte europäische Gletscher in der ganzen Welt. Dafür muß man dreimal den Mond umrunden. Hier wohnt wenig, hier wächst wenig, hier denkt man viel, aber langsamer. Nur weil da keine Straße ist, heißt das nicht, dass man da nicht langfahren kann. Mit dem richtigen Auto kann man. Die Jungs sind ganz verrückt nach dem Auto. Da platzt ihnen der Hosenknopp ab, wie es einer der begeisterten formuliert. Aha.

Das tolle Auto fährt dann in ein tolles Schlammloch. Kann am Übergewicht gelegen haben. Bis das Auto wieder aus dem Loch gehievtgeschoben ist machen wir das Interview mit dem Übergewicht.
Über Freemann habe ich mich echt geärgert. Der hatte auf alles eine Antwort, die jede Schuld von ihm und von allen Isländern nahm, als ob es überhaupt um Schuld gehen sollte. Wir wollten ja über Gletscher reden. Dann geht’s wieder um Walfang, Aluminiumfabriken, den Staudamm blabla. Freemann sagt, die Isländer würden doch kein Aluminium herstellen, wenn es keiner kaufen würde. Außerdem sei alles Natur, auch das was der Mensch macht, überhaupt sei der Mensch das wichtigste Stück Natur, darum soll er essen dürfen was er will, so lange es gesund und natürlich ist so wie z.B. Wale. Ich kann es nicht fassen: da sitzt dieser Berg aus Fleisch und redet über gesunde Ernährung. Ich kann nix freches sagen, dann schnauft der Interviepartner weg. Ich kann auch auf Englisch nicht gut diskutieren. Wir müssen außerdem noch mit Fremann zurückfahren und wenn der stinkig wird, das will ich nicht riechen, er ist schon unstinkig eine ganz schöne Wolke.
Volker, ich und das Filmteam wir laufen los, den Gletscher zu erreichen. Wir bleiben wie das tolle Auto im Schlamm hängen. Weiter geht’s nicht, aber zu unserer Freude entdecken wir, dass unter dem Schlamm reines sauberes jahrtausendealtes Eis ist. Wunderwunderwunderschön. Ich bin versöhnt mit dem Tag, mit der Welt, mit allem. Das ist bestimmt symbolisch für alles mögliche. Unter Freemanns dicker Schicht da ist auch was ganz feines.
Am Ende des Tages sind alle platt. Ein blauer Bus schüttelt uns zum Schiff zurück. Nachts um eins Essen.